So beschäftigt: Welche Jobs bis 2030 entstehen und wegfallen

 

Berlin wird zur Beschäftigungsoase inmitten einer wirtschaftlichen Wüste. 2030 werden in Brandenburg mehr als 18 Prozent weniger Erwerbstätige leben, in Sachsen-Anhalt fällt gar ein Viertel der Arbeitenden weg. Für die Hauptstadt sind die Prognosen positiv – auch, weil die Bevölkerung deutlich altern wird.

Nur vier deutschen Bundesländern wird ein Zuwachs an Erwerbstätigen vorausgesagt. Die Hauptstadt belegt im bundesweiten Vergleich mit einem Zuwachs von 1,3 Prozent den vierten Platz – hinter Hamburg, Bremen und Bayern. Völlig anders sind die Aussichten für die neuen Bundesländer.

Entwicklung der Erwerbstätigen in den Bundesländern bis 2030

Rund um Berlin, in Brandenburg (-18,5 Prozent Erwerbstätige), Mecklenburg-Vorpommern (-21,3 Prozent), Sachsen (-14 Prozent), Thüringen (-24,1 Prozent) und vor allem in Sachsen-Anhalt (-25,2 Prozent) nimmt die Landflucht stark zu; mit drastischen Auswirkungen auf Arbeitsmarkt und Wirtschaft.

Es ist die negative demografische Entwicklung, die in den ostdeutschen Bundesländern zu diesem Rückgang der Erwerbstätigkeit führt. In der Folge wird die Wirtschaft auf Grund des Mangels an Arbeitskräften zur Einschränkung der Produktion gezwungen sein.

Kurt Vogler-Ludwig, wirtschaftspolitischer Berater und Arbeitsmarktexperte bei Economix Research & Consulting

Junge, gut ausgebildete Menschen strömen in die Großstädte. Senioren bleiben zurück, die Wirtschaft liegt brach. Der demografische Wandel kann sich aber auch durchaus positiv auf die Beschäftigungslage auswirken. Berlin macht es vor.
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2030 werden die Best Ager, also die über 50-Jährigen, den Großteil der arbeitsfähigen Berliner Bevölkerung ausmachen. Die meisten von ihnen sind weiblich, vor allem bei den 65- bis 69-Jährigen. Selbst die Start Up-Metropole Berlin also bleibt vom demografischen Wandel nicht verschont. In ganz Deutschland wird die Zahl der verfügbaren Arbeitskräfte bis 2030 um 2,9 Millionen schrumpfen. Gleichzeitig wird der Anteil von Senioren an der Bevölkerung stark zunehmen. Auch Menschen, die nach heutiger Gesetzgebung im Rentenalter sind, werden dann für die Wirtschaft zu unverzichtbaren Arbeitskräften.

Der Anteil der Erwerbspersonen an der Bevölkerung wird in der Altersgruppe 60 bis 74 um 10 Prozentpunkte ansteigen. Das geht zum Teil auf die Erhöhung des Rentenalters zurück, aber auch auf die selbstbestimmte Verlängerung des Erwerbslebens über das gesetzliche Rentenalter hinaus.


Kurt Vogler-Ludwig


Nicht nur die Struktur der arbeitenden Bevölkerung wird sich bis 2030 ändern, auch der Berliner Arbeitsmarkt steht vor entscheidenden Umwälzungen. Laut den Prognosen werden im Vergleich zu 2010 im Bereich Büro- und Verwaltung 33.626 Arbeitsplätze wegfallen. In der Fertigung wird es 11.989 Jobs weniger geben. Manager haben laut den Arbeitsmarktforschern bessere Aussichten: Für sie sollen 17.282 neue Stellen entstehen, in der Wissenschaft kommen 8688 Stellen hinzu.

Ein Grund für diese Entwicklungen ist die zunehmende Automatisierung von Arbeit. Höher qualifiziertes Personal, zum Beispiel Manager, schützt das im Studium angeeignete Expertenwissen. Sie profitieren vom Technikeinsatz. Die mittelständische Industrie baut in Folge der Digitalisierung immer mehr Stellen ab.

Zu den wirtschaftlichen Gewinnern gehören Großbetriebe in den Sektoren Handel und Verkehr sowie Unternehmens- und Finanzdienstleister. Deutlich zunehmen wird der Anteil der Kleinstbetriebe (bis 10 Mitarbeiter), besonders im Dienstleistungsbereich. Da die Menschen insgesamt länger leben, steigt die Nachfrage nach Gesundheits- und Pflegediensten.

Wir gehen von einer zunehmenden Verstädterung in Deutschland aus. Die Großstädte profitieren vom strukturellen Wandel in Richtung wissensorientierter Dienstleistungen, denn die Arbeitsmärkte für solche Spezialisten finden sich überwiegend dort. Unternehmen dieser Branchen werden daher eher in den Großstädten entstehen und die Arbeitskräfte werden dort ihre Arbeitgeber suchen. Dem haben die ländlichen Regionen nur wenig entgegenzusetzen.


Kurt Vogler-Ludwig

Als traditionelles Industrieland ist Deutschland besonders stark vom technischen Wandel betroffen. 59 Prozent der deutschen Arbeitsplätze könnten laut einer Untersuchung der ING-DiBa in den kommenden Jahren durch Maschinen und Roboter gefährdet werden. Sachbearbeiter und Verwaltungsarbeiter tragen sogar ein Risiko von 86 Prozent. Und der Siegeszug der Roboter macht nicht einmal vor der menschlichsten aller Fähigkeiten Halt.

Ein Roboter Namens Myon lernt zur Zeit bei Wissenschaftler Dr. Manfred Hild und dessen Team am Institut für Neurorobotik der Humboldt Universität das Fühlen.

 

Keine Angst: Myon nimmt niemandem die Arbeit weg. Derzeit ist er an der Komischen Oper in Berlin anzutreffen. Dort lernt er das Sprechen und speichert seine Erfahrungen im Umgang mit anderen Menschen. Er soll, wenn er groß ist, für sich selbst entscheiden und handeln können. Noch ist der humanoide Roboter auf dem geistigen Stand eines Kleinkindes. Doch bereits diesen Sommer wird er in dem Stück „My Square Lady“ an der Komischen Oper mitspielen.

 

Autorinnen: Christina zur Nedden & Christina Özlem Geisler

Quellen: Economix Research & Consulting: Arbeitsmarkt 2030 – Prognose nach Bundesländern; Carl B. Frey / Michael A. Osborne: The Future Of Employment

 

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