So knapp: wie viele Lehrer bis 2023 an den Schulen fehlen

Berlins Schulen müssen in den kommenden acht Jahren 39.000 Schüler mehr aufnehmen. Aber schon heute gibt es zu wenig Schulplätze, fehlen tausende Lehrer. Die Hochrechnungen zeigen deutlich, wo die Stadt handeln muss.

In sieben von zwölf Berliner Bezirken wird es 2022 zu wenige Grundschulplätze geben. Besonders gravierend wird der Platzmangel in Lichtenberg zu spüren sein, dort fehlen dann Plätze für 2016 Schüler. Gerade in den Boom-­Bezirken gelingt es nicht, das Wachstum in den jungen Bevölkerungsschichten mit neuen Schulen und Erweiterungsbauten aufzufangen. In Pankow genauso wie in Lichtenberg wird jeweils nur eine Grundschule mehr Plätze als heute anbieten können.

Finden Sie per Klick in die Karte heraus, wo Berlins Grundschulplätze knapp werden:

Noch deutlicher wird das Platzproblem in den Integrierten Sekundarschulen. Hier rechnet die Senatsverwaltung für Bildung, Jugend und Wissenschaft in elf Bezirken mit teils drastischen Schülerüberschüssen – lediglich Neukölln soll mit dem Zuwachs Schritt halten können.

Integrierte Sekundarschulen – hier wird es besonders eng:

Die größte Herausforderung kommt auf Lichtenberg zu: 1044 Plätze fehlen an den Gymnasien, bei den integrierten Sekundarschulen sollen es sogar 2048 Plätze sein. Treptow-Köpenick und Pankow können ebenfalls mit einem starken Zuwachs an Schülern rechnen.

Berliner Gymnasien – Mangel in den Boom-Bezirken:

“Zu kleine Klassen, zu enge Gänge, schlechte technische Ausstattung”

Schon jetzt ist die Situation an vielen Schulen in Pankow alarmierend. So zum Beispiel in der Konrad-Duden-Schule. “Knapp 40 Prozent der Bewerberinnen und Bewerber mussten wir dieses Schuljahr ablehnen”, berichtet die Direktorin, Andrea Brunn, der Integrierten Sekundarschule.

  • Übervolle Oberschule: Allein für die 7. bis 10. Klassen erwartet der Berliner Bildungssenat einen Zuwachs um 16.000 Schüler.
  • Leere Tafel: Berlin braucht dringend Lehrer. Ein Großteil der aktuellen Generation geht bis 2022 in Rente.
  • Als Gründe für die wachsenden Schülerzahlen nennt der Bildungssenat steigende Geburtenraten und Zuzügler.
  • Ergebnis: Note "unterdurchschnittlich". In internationalen Bildungsstudien steht Berlin schlechter da als Restdeutschland.
  • Wohin mit all den Schülern? Über 2000 Klassenzimmer sollen in Berlin zusätzlich entstehen. Laut Prognose immer noch zu wenig.

 

Das Gebäude der Hufeland­-Schule, ebenfalls eine Integrierte Sekundarschule in Pankow, gehört zu jenen Bauten, bei denen das Wort Sanierungsstau keiner weiteren Erklärung bedarf: “Zu kleine Klassen, zu enge Gänge, eine schlechte technische Ausstattung”, beklagt Petra Nartschik, die Vorsitzende der Gesamtelternvertretung der Schule. “Die Kinder und Jugendlichen sind acht Stunden am Tag hier. Wie die das aushalten, weiß ich nicht!” Moderne Container, sogenannte modulare Ergänzungsbauten, sollen wie an vielen Berliner Schulen Abhilfe schaffen. Aber die Baumaßnahmen an der Hufeland­-Schule ziehen sich. Allein der Abriss der alten Gebäude ist eineinhalb Jahre im Verzug.

Ein weiteres Problem betrifft alle Schulen in Berlin: Es mangelt an Lehrern. 2673 fehlen allein im Schuljahr 2014/15. Und in den kommenden acht Jahren wird sich die Schere zwischen Lehrerbedarf und Lehrerbestand weiter öffnen. Für das Schuljahr 2022/23 rechnet die Senatsverwaltung damit, dass in Berlin 14.018 Lehrer fehlen werden.

Anders ausgedrückt bedeutet diese Entwicklung: 2023 ist ein Lehrer in Schnitt für doppelt so viele Schüler verantwortlich wie heute. “Wir stehen vor einer großen Herausforderung. Da muss eben jeder seine Hausaufgaben machen”, appelliert Schulleiterin Andrea Brunn an die Senatsverwaltung. Auf Seiten der Stadt bedeute das: Mehr Abiturientinnen und Abiturienten müssen für den Lehrerberuf begeistert werden. Ob es dafür förderlich ist, dass das Land Berlin immer weniger Lehrer verbeamtet, ist fraglich. Während im Schuljahr 2005/2006 noch 86 Prozent der Lehrerinnen und Lehrer den Beamtenstatus hatten, sind es 2014/2015 nur noch 61 Prozent. Petra Nartschik von der Elternvertretung der Hufeland-Schule sagt: “Die Stadt muss sich überlegen, wie viel ihr die Zukunft ihrer Kinder wert ist.”

 

Autorinnen: Charlotte Schulze & Isabel Metzger

Quellen: Schulentwicklungsplan für das Land Berlin 2014-2018, Senatsverwaltung für Bildung, Jugend und Wissenschaft;
Bericht zur mittelfristigen Lehrerbedarfsplanung bis 2021, Senatsverwaltung für Bildung, Jugend und Wissenschaft

 

Zur Startseite

facebooktwitter