So warm: Wo Berlin 2100 so heiß wie am Mittelmeer wird

 

Der Klimawandel macht auch vor der Hauptstadt nicht halt. Für den Sommerurlaub müssen Berliner laut aktuellen Prognosen in Zukunft nicht mehr nach Südfrankreich fahren. Das Mittelmeerklima kommt zu uns – und bringt gefährliche Folgen mit sich.

Während die einen noch entspannt Cocktails schlürfen, geraten die anderen an ihre körperlichen Grenzen: An Hitzetagen, an denen konstante Temperaturen über 30 Grad Celsius herrschen, leiden viele Menschen an Kreislaufproblemen. Noch fataler für die Gesundheit sind tropische Sommernächte, in denen die Temperaturen nicht unter zwanzig Grad sinken. Meist sind es Menschen über 50 Jahren oder Kleinkinder, denen die Hitze besonders zusetzt. Der Klimawandel wird dieses Problem in Zukunft weiter verschärfen, insbesondere in Großstädten wie Berlin.

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Die Karte zeigt die durchschnittliche Anzahl an Hitzetagen und Tropennächten pro Jahr für die Zeiträume 2001 bis 2010 sowie 2090 bis 2099 (gerundet auf 2100). Quelle: GEO-NET Umweltconsulting GmbH, Stadtentwicklungsplan (StEP) Klima der Berliner Senatsverwaltung für Stadtentwicklung und Umwelt.

Bis zur Mitte des Jahrhunderts wird die Jahresmitteltemperatur in Berlin und Brandenburg voraussichtlich um mindestens zwei Grad steigen. Die Nächte werden schwüler, es wird weniger regnen, dafür werden extreme Wetterereignisse wie Starkregen und Stürme deutlich zunehmen. Berlin muss sich wappnen und beispielsweise seine marode Kanalisation sanieren, sonst drohen neben dem Hitzekollaps auch Überflutungen. Laut einer Studie der Berliner Senatsverwaltung für Stadtentwicklung und Umwelt von 2009, gehört die Hauptstadt zu den künftig am stärksten vom Klimawandel betroffenen Regionen in Deutschland.

Wenn Wohnviertel dicht bebaut sind und Grünflächen fehlen, heizen sich Städte im Vergleich zum Umland stark auf. Experten bezeichnen das als Wärmeinseleffekt. Zwar ist Berlin eine der grünsten Hauptstädte Europas. Die vielen Parks, Wälder, Seen und Kleingärten sind wichtig, um die angestaute Wärme aus der Stadt zu transportieren. Das Problem dabei ist: Selbst riesige Freiflächen wie das Tempelhofer Feld oder der Tiergarten versorgen immer nur die umliegenden Wohnblöcke mit der nötigen Kaltluft. In Berlin-Mitte kann es deshalb schon jetzt an manchen Tagen zehn Grad heißer werden als beispielsweise in Spandau. Die mit der Hitze ebenfalls steigende Ozon- und Feinstaubbelastung der Luft machen den Aufenthalt im Freien dann für viele unerträglich, im schlimmsten Fall lebensgefährlich.

So entwickeln sich die Temperaturen in Berlin bis ins Jahr 2100

Bereits 2055 dürfte Berlin ein Klima haben, das mit dem heutigen Toulouse (Südfrankreich) vergleichbar ist. Was passiert, wenn der globale Ausstoß von Treibhausgasen bis dahin nicht stark reduziert wird, ist natürlich nicht mit absoluter Sicherheit abzuschätzen. Klimaforscher haben in den letzten Jahrzehnten eine ganze Reihe komplexer Modelle entwickelt, um die Zukunft des Klimas – global wie regional – so präzise wie möglich zu berechnen. Eine einheitliche Methode gibt es dabei nicht und je nach verwendetem Klimamodell und Emissionsszenario unterscheiden sich die Voraussagen der Wissenschaftler zum Teil deutlich voneinander. Tendenziell sind sich die Experten aber einig: Spätestens ab 2055 werden wir die Folgen des Klimawandels auch in Nordeuropa immer heftiger zu spüren bekommen.

Hitzewellen wie im Sommer 2003, als europaweit fünfzig- bis siebzigtausend Menschen zusätzlich an den Folgen von Wärmebelastung starben, könnten bald keine Seltenheit mehr sein. Für Städte wie Berlin ist es deshalb umso wichtiger, Anpassungsstrategien zu erarbeiten und diese eng mit der aktuellen Stadtplanung zu verzahnen.

Wie der Klimawandel Berlin verändern wird

Matthias Lüdeke vom Potsdamer Institut für Klimafolgenforschung kennt viele Klimaszenarien. Zum Temperaturanstieg sind sich die Forscher aber in einem einig:

Zeit, dass wir uns an den Klimawandel anpassen – sagt Wilfried Endlicher, Professor am Geografischen Institut der HU-Berlin. Wie das geht und warum Berlin noch viel mehr kleine Grünflächen benötigt:

Wie unsere Berliner Klimakarte zeigt, sind längst nicht alle Kieze gleichermaßen von der steigenden Wärmebelastung betroffen. Einige Wohnviertel in Mitte, Charlottenburg oder Kreuzberg könnten aber bis zum Jahr 2100 für Senioren, Kleinkinder und Menschen mit chronischen Kreislauferkrankungen praktisch unbewohnbar werden. Wer es sich leisten kann, wird an den Stadtrand ziehen. Randbezirke wie Zehlendorf, Spandau und Köpenick wären dann endgültig das, was sie zum großen Teil heute schon sind: blühende Rentnerparadiese.

Wer sich darüber hinaus für die Daten und Modelle hinter unserer Berliner Klimakarte interessiert, kann hier mehr darüber erfahren. Die Diagramme darunter beruhen auf einem anderen Modellverfahren, das hier nachzulesen ist.

Autoren: Florian Zimmer-Amrhein & Florian Haenes

Quelle: Senatsverwaltung für Stadtentwicklung und Umwelt: Umweltatlas und Stadtentwicklungsplan

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